Villa Blumenthal
Das "Weiße Rössl“ in Lauffen - und das erste Fertigteilhaus Europas
Spazieren Sie die Esplanade und die Hasnerallee hinaus in die Kaltenbachau, vorbei an der Tennishalle, der Katrinseilbahn, dem interessanten Kaiser Jagdstandbild auf der rechten Seite und der P.K.S. Villa auf der linken Seite. Sie sehen nach ca. 250 m (Kaltenbach 153) ein historisch besonders interessantes Gebäude - ganz aus Holz gebaut - mit einem Turm und zahlreichen, auf Elemente indianischer Kunst hinweisende, Ornamentik. Die „Villa Blumenthal“ wurde benannt nach ihrem ersten Besitzer, dem Berliner Bühnenautor und Theaterkritiker Dr. phil . Oskar Blumenthal.
Blumenthal hatte seine Villa erstmals 1893 auf der Weltausstellung in Chicago gesehen. Das besondere an diesem Holzhaus war, dass man es (angeblich dreimal) zerlegen und wieder zusammenfügen konnte. Und so erreichte dieses erste Fertighaus nach einer langen Schiffs- und Bahnreise im Frühjahr Bad Ischl, wo sich zahlreiche Schaulustige eingefunden hatten. Ein eigens engagierter Architekt hatte bereits den Abbau in Chicago überwacht, nun leitete er auch den reibungslosen Aufbau.
Vom Turm aus sah Dr. Blumenthal direkt nach Lauffen zum Gasthaus „Weißes Rössl“. Die fesche Rösslwirtin und der tüchtige Kellner Leopold (siehe Folder „Leopoldstadt“) animierten ihn zum Lustspiel „Im weißen Rössl“, welches er in Bad Ischl schrieb. Es kam 1898 heraus und wurde in Wien mit Alexander Girardi in der Hauptrolle ein Riesenerfolg.
Viele Jahre später sah der Komponist Ralph Benatzky das Stück, und gemeinsam mit anderen Komponisten, darunter auch Robert Stolz, entstand 1930 die Operettenversion, die mit großem Erfolg in Berlin uraufgeführt wurde.
Dr. Oskar Blumenthal verstarb 1917 in Berlin.